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Miteinander Wohnen

Endlich Welterbe!

Ein Rückblick: Von der Idee bis zum Ziel

Weltkulturerbe vergrößern Vor reichlich einem Jahr, am 11. Mai 2017 war es endlich soweit. Mit der Übergabe der Urkunde durch Staatsministerin Maria Böhmer in Berlin wurde der erste und bisher einzige deutsche Eintrag im UNESCO-Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes bestätigt.
Die „Idee und Praxis von Genossenschaften“ wurde auf den deutschen Antrag hin in die repräsentative Liste des Verzeichnisses aufgenommen. Seit 2013 hatten die Deutsche Hermann-Schulze-Delitzsch-Gesellschaft und die Deutsche Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaftdarauf hingewirkt. Nach vielen Gremiensitzungen deutscher UNESCO-Experten und Begutachtung durch die Kultusministerkonferenz wurde Ende 2014 schließlich die genossenschaftliche Bewerbung aus über 180 deutschen Anträgen ausgewählt und über Paris auf den Weg zur entscheidenden Beratung nach Adis Abeba geschickt. Dort stimmten die internationalen Vertreter schließlich im November 2016 für den deutschen Antrag.

Sozial und kulturell verantwortlich

Gerade in stürmischen Zeiten scheint die „Idee und Praxis von Genossenschaften“ ein gutes Beispiel
dafür, wie durch bürgerschaftliches Engagement Marktwirtschaft sozial gestaltet werden kann. Generationen und schichtenübergreifend laden Genossenschaften jeden zum Mitgestalten ein und bieten im Gegenzug Teilhabe und Solidität. Dies gewährleisten die Vertreterinnen und
Vertreter aber auch die Genossenschaftsverbände und das zugrundeliegende Genossenschaftsgesetz. Branchenübergreifend kooperieren die Genossenschaften – dort wo es sinnvoll ist – auch untereinander. Sie sind vielfach in der Region verankert und übernehmen soziale und kulturelle Verantwortung, denn die dort lebenden Kunden sind zugleich auch die Mitbesitzer des Unternehmens. In Deutschland sind zirka 22 Millionen Menschen in rund 8.000 Genossenschaften organisiert. Sie sichern allein 440.000 Arbeitsplätze und sind die eigentümerstärkste Unternehmensform.

Weltweit verbreitet

Auch wenn der UNESCO-Antrag aus Deutschland kam, die Genossenschaftsidee ist weltweit verbreitet und kann gerade in Schwellen- und Entwicklungsländern zur politischen und wirtschaftlichen Stabilität beitragen. In Mittelamerika existieren beispielsweise Kaffeeanbaugenossenschaften
mit mehreren tausend Mitgliedern. Der Internationale Genossenschaftsbund IGB ist die größte
unabhängige, nichtstaatliche Organisation der Welt. Das Kooperieren in Genossenschaften ist freilich nicht allein eine deutsche Idee. Seit Menschengedenken werden etwa bei Jagd, Ackerbau oder Deichbewirtschaftung gemeinschaftliche Ziele verfolgt. Auch mittelalterliche Orden, Zünfte oder
Gilden sind ein Beispiel dafür. Wer sich gemeinschaftlich anstrengte, sollte auch die Früchte gemeinsam genießen. Ähnliches hatten auch die französischen Frühsozialisten oder die Engländer
um Robert Owen mit ihren genossenschaftsähnlichen Modellen und Experimenten im Sinn. Allerdings
machte die Idee allein noch keine tragfähige Unternehmensform. Hier bedurfte es der Impulse zweier bedeutender Genossenschaftsaktivisten: Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818–1888) aus dem Westerwald in Rheinland-Pfalz und Hermann Schulze-Delitzsch (1808–1883) aus dem heute
zu Sachsen gehörenden Delitzsch. Während der Erste die mittellose Landbevölkerung im Blick hatte, machte Letzterem die schwindende Konkurrenzfähigkeit der städtischen Handwerker Sorgen. Unabhängig voneinander gelang es beiden ein Netz genossenschaftlicher Einrichtungen zu gründen. Schulze-Delitzsch konnte mit dem bis heute maßgeblichen Genossenschaftsgesetz nachlegen. Geldmangel mündete in solidarischen Kassen, aus denen schließlich die genossenschaftliche Kreditwirtschaft erwuchs. Unhaltbare Zustände des Wohnens mündeten in den genossenschaftlichen Wohnungsbau. So wurden im ausgehenden 19. Jahrhundert viele Genossenschaftswohnungen errichtet. Die Idee trägt bis heute. Die UNITAS feiert in diesem Jahr ihr 60-jähriges Bestehen. Der UNESCO-Titel sollte alle darin beflügeln, von der Genossenschaftsidee Kollegen, Nachbarn, Kindern und Enkeln zu erzählen.

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