Energiewende am Ende? - Thema des zweiten Genossenschaftstags in der LVZ Kuppelhalle vergrößern Energiewende am Ende? Diese zugegebenermaßen etwas provokante These des Abends wurde von Prof. Dr. Dr. Klaus Töpfer in seinem Hauptreferat gründlich widerlegt. Als ehemaliger Bundesumweltminister und heutiger Vorsitzender des Rates der Agora Energiewende ist er ein profunder Kenner der Materie.
Das vergleichsweise frühe Umdenken der Politik bei Fragen der Erzeugung von Energie – weg von Atomkraft und fossilen Brennstoffen, hin zu den erneuerbaren Energien – habe Deutschland eine Vorreiterstellung eingebracht: „Hier haben wir eine Zukunftstechnologie aufgebaut, die aus Deutschland kommt und nicht aus Amerika.“, sagte Töpfer.

Mit Blick auf Atomausstieg, Energiemix und die aktuelle politische Entwicklung in der Ukraine stellte er fest: „Wir sind dort, wo andere hinkommen müssen, und die Russen fragen uns inzwischen, ob wir uns von ihnen unabhängig machen wollten.“ Auch aufgrund der gesellschaftlichen Verantwortung für nachfolgende Generationen – dabei geht es um den Schutz der Umwelt und die Schonung von Ressourcen – sei die Energiewende „alternativlos“. 

 

Klaus Töpfer bei einem Referat zum zweiten Genossenschaftstag vergrößern Bundesumweltminister a. D. Prof. Dr. Dr. Klaus Töpfer beim Referat über die Herausforderungen der Energiewende. Töpfer führte aus, dass die Dezentralisierung der Stromerzeugung zur Verkleinerung der Einheiten - viele Solarmodule anstelle eines Braunkohlenkraftwerks - geführt habe. Das bewirkt, dass viele Menschen nicht mehr nur Energieverbraucher seien, sondern auch Erzeuger. Dies geschieht einzeln durch den Betrieb von Solarmodulen oder Mini-Blockheizkraftwerken. Aber auch organisiert, vorzugsweise in Energiegenossenschaften, die bereits in größerem Stile Wind- und Solarparks betrieben und den selbst erzeugten Strom vermarkteten. „Das ist Teilhabe, das ist Demokratie.“, sagte er, „Das ist auch, was Genossenschaften auszeichnet.“

In einer anschließenden Diskussionsrunde, welche LVZ-Wirtschaftschef Ullrich Milde leitete, bestätigte Thomas Berg, Leiter des Gründerzentrums „Neue Genossenschaften“ beim Genossenschaftsverband e.V., dass mehr als die Hälfte aller Gründungen von Genossenschaften gegenwärtig Energiegenossenschaften seien.

 

Diskusion zum Thema Energiewende am Ende? zum zweiten Genossenschaftstag vergrößern Diskussionsrunde zum Thema Herausforderungen der Energiewende beim zweiten Genossenschaftstag mit Claus Gröhn, Dr. Axel Viehweger, Ullrich Milde, Prof. Dr. Dr. Klaus Töpfer und Thomas Berg (v. l. n. r.). Dass eine Medaille zwei Seiten haben kann, verdeutlichten Dr. Axel Viehweger, Vorstand des Verbandes Sächsischer Wohnungsgenossenschaften, und Claus Gröhn, Vizepräsident der Handwerkskammer zu Leipzig. Insbesondere die Ungleichbehandlung von Industrie und Handwerk bei der Subventionierung von Energiepreisen sowie deren Verdoppelung in den vergangenen zehn Jahren mache den Handwerkern zu schaffen. Dieser Einschätzung Gröhns pflichtete Viehweger bei: Für die Wohnungsgenossenschaften seien die Energiepreise im Rahmen der Nebenkostenabrechnung der Mieter zwar ein durchlaufender Posten, dennoch „sehen wir uns in der Verantwortung für unsere Mitglieder und beschäftigen uns mit Energie-Selbstversorgungsmodellen.“ Berg monierte zudem, dass trotz sinkender Preise an den Strombörsen Preisvorteile beim Verbraucher nicht ankämen.

Dennoch herrschte Einigkeit darüber, dass die Energiewende weitergeführt werden müsse. Dabei tragen die Genossenschaften, ob als zukunftsfähige Unternehmensform oder als unternehmerischer Zweck, eine wichtige Rolle. Martina Wilde, Vorstandssprecherin der Wohnungsgenossenschaft UNITAS eG, und Christoph Kothe, Vorstand der Leipziger Volksbankverdeutlichten zu Beginn, dass ihre Genossenschaften in diesem Bereich Kompetenzen aufgebaut haben. Die WG UNITAS eG setzt Maßnahmen zur Energieeinsparung um, welche den Mietern zugute kommen. Beim Neubauprojekt „Apels Garten“ in der Leipziger Innenstadt wird nachweislich nachhaltiger Wohnungsbau betreiben. Die Leipziger Volksbank fühlt sich vor allem für Finanzierungsfragen des Handwerks und für private energetische Maßnahmen verantwortlich.

 

Eröffnungsrede zum zweiten Genossenschaftstag vergrößern Martina Wilde, Vorstandssprecherin der WG UNITAS eG und Christoph Kothe, Vorstand der Leipziger Volksbank bei der Eröffnung des zweiten Genossenschaftstages zum Thema "Herausforderungen der Energiewende" Der zweite Leipziger Genossenschaftstag hat wichtige Impulse für die Zusammenarbeit unter den Leipziger Genossenschaften sowie mit dem Handwerk als „offiziellem Ausrüster der Energiewende“ gegeben. Die Protagonisten des Abends haben im Podium und bei anschließenden Gesprächen die Gelegenheit genutzt, Herrn Prof. Dr. Klaus Töpfer ihre Positionen mit auf den Weg zu geben. Die rund 200 Gäste konnten sich davon überzeugen, dass ihre Leipziger Genossenschaften voller Energie stecken und die Chancen der Energiewende nutzen werden.

Diskusion zu Energiewende vergrößern Bundesumweltminister a. D. Prof. Dr. Dr. Klaus Töpfer, Vorstandssprecherin Martina Wilde und Vorstand Wohnungswirtschaft/Technik Steffen Foede der WG UNITAS eG Steffen (v. l. n. r.) im Gespräch zur Energiewende beim zweiten Genossenschaftstag

 

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